(Ein Essay von Andreas Hofmeister in Anlehnung an die Gretchenfrage)
Marx, die Linke und das Opium des Volkes
Seit Karl Marx die Formel prägte, Religion sei „Opium des Volkes“, hat die Linke sich vom Religiösen distanziert. Kein Glaube, keine Institution war zu alt oder zu mächtig, um nicht kritisch beäugt zu werden. In den 1960ern, im Aufbruch gegen Autorität und Moral, wurde Religiosität vielerorts sogar pauschal als rückständig gebrandmarkt. Aus der Kritik wurde Distanz. Aus Distanz wurde Verächtlichmachen. Und diese Verachtung trug sehr schnell zur weiteren Säkularisierung des Landes bei – wer wollte schon von den „progressiven Kräften“ als hoffnungslos rückständig abgetan werden?
Migration, neue Religionen und das paternalistische Hofieren des Anderen
Dann kamen neue Religionsformen ins Land. Anders. Exotisch. Sichtbar. Es gab fremde Gebete, Kopftücher und sogar die Vollverschleierung mit Niqab. Moscheen und Minarette wurden erbaut. All das wurde gefeiert als Ausdruck der eigenen Toleranz und der Vielfalt. Deutschland sollte bunt werden.
Statt nüchterner Analyse entwickelte sich ein seltsames, duldsames, fast paternalistisches Hofieren der neuen Religion, was inzwischen – so einige Kritiker – nicht weit weg ist von einem „racism of low expectation“ bzw. einem Rassismus der niedrigen Erwartungen. Krieg und Gewalt feiernde Textstellen in den heiligen Schriften wurden als „nicht repräsentativ“ abgetan. Kritische Passagen wurden verdrängt. Jede sachliche Kritik, jede inhaltliche Auseinandersetzung geriet unter ideologischen Generalverdacht.
Während also die eigene religiöse Prägung des Landes verächtlich gemacht wurde, durfte das mit der neuen Religion auf keinen Fall passieren, das wäre ja ein Zeichen von Fremdenhass und Intoleranz gewesen. Wo ist eigentlich die Toleranz für die eigene kulturelle Prägung geblieben?
Islamophobie – ein ganz einmaliger Begriff
Das fatale Hofieren des Islam in den westlichen Ländern im Vergleich zu anderen Religionen zeigt sich allein schon durch die Einzigartigkeit des Begriffs Islamophobie. Würde das Christentum oder auch Judentum oder Hinduismus kritisch hinterfragt, käme niemand auf die Idee, von „Christophobie“, „Judophobie“ oder „Hinduismusphobie“ zu sprechen. Aber hier? Jede Kritik am Islam wird reflexhaft moralisch geahndet.
Dabei gibt es zahlreiche (Ex-)Muslime, die darauf hinweisen, dass eine Phobie eine irrationale Angst bedeutet, dass es aber gar nicht irrational ist, Angst zu haben vor der Islamisierung der westlichen Welt mitsamt Verlust von Frauenrechten, Gewalt gegen Homosexuelle, Judenhass etc. durch die duldende Hinwendung zu Kalifat und Scharia.
Gewisse Ideen dürfen nicht berührt, gewisse Ideologien nicht geprüft werden. Wer sie hinterfragt, läuft Gefahr, intolerant, rassistisch, fremdenfeindlich genannt zu werden – völlig unabhängig vom Argument.
Die Folgen der Tabuisierung
Vor wenigen Tagen ist die aktuelle Motra-Studie erschienen, die sich mit Extremismus verschiedener Ausprägungen beschäftigt. Es sind Zahlen, die alarmieren: Mehr als 40 Prozent der unter 40-jährigen Muslime in Deutschland zeigen Nähe zu Positionen, die im Widerspruch zu unseren Grundwerten stehen. Nicht Menschen, nicht Individuen – die Religion selbst muss hier der Prüfstein sein. Die Studie zeigt, wie repressive Ideologie unbehelligt wächst, wenn Kritik tabuisiert wird. Wundert es dann, dass in den letzten Jahren bei Umfragen auch mehr und mehr als rechts gebrandmarkte Positionen erkennbar werden? Vielleicht stellt die Jugend fest, wie sehr ihre Freiheit (und vor allem auch die Freiheit der Frauen) durch eine fortschreitende Islamisierung gefährdet ist – und lehnt dies ab, was dann zu einer Bewertung als „rechts“ führt.
In Großbritannien ist die Labour Partei dabei, ein Gesetz einzuführen, was die Kritik am Islam strafbar machen könnte. Es ist ein modernes Blasphemiegesetz und damit ein Rückschritt in Zeiten vor der Aufklärung.
Merke: Wer Religionen vom Diskurs ausnimmt, erzieht sie zur unantastbaren Ideologie. Wer Kritik scheut, schwächt die Freiheit unserer Gesellschaft, bevor diese überhaupt reagieren kann.
Aufklärung, Kritik und die Aufgabe der Gesellschaft
Wir müssen uns fragen: Dürfen Religionen kritisiert werden? Ja oder nein. Dürfen sie Ansprüche erheben, die unsere Gesellschaft formen wollen?
Die Freiheit, Ideen zu hinterfragen, ist der Kern der Aufklärung. Sie darf nicht an der Schwelle zu einem Glaubensbekenntnis enden. Religion ist ein Gedankengebäude, kein heiliger Tempel. Sie muss untersucht, bewertet, kritisiert werden dürfen. Nicht der Gläubige ist der Feind der Aufklärung, sondern die Religion, die Kritik zu tabuisieren versucht. Religionsfreiheit beinhaltet auch die Freiheit von jedweder Religion und deren Versuch der spürbaren Einflussnahme auf das eigene Leben.
Wer das erkennt, erkennt auch das Vorbild unserer Aufklärer und Häretiker: Der Mensch darf fragen, zweifeln, prüfen. Und wer fragt, zweifelt und prüft, schützt die Gesellschaft vor totalitären Ideen, die sie Stück für Stück unterwandern wollen.
